Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur klar

Land fördert 17 neue Forschungsprojekte in Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften

Mehr als 2,7 Mio. Euro aus Programm „Pro Niedersachsen“ bereitgestellt


Das Land Niedersachsen hat in seinem Förderprogramm „Pro Niedersachsen" insgesamt 2,74 Millionen Euro für 17 neue Forschungsvorhaben aus den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften bewilligt. Unterstützt werden vor allem Vorhaben, die sich fächer- und institutionenübergreifend mit niedersächsischen Themen befassen. Fachgutachter haben die Projekte in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen ausgewählt.

„Das Land unterstreicht mit dem Förderprogramm „Pro Niedersachsen" die Bedeutung der Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften für die kulturelle und soziale Entwicklung unserer Gesellschaft. Diese Fächer geben aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven Antworten auf gesellschaftliche Fragen", sagte die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić. „Ich begrüße es besonders, dass die Themen Integration und Inklusion unter den diesjährigen Anträgen vertreten sind. Die Vielfalt der Themen zeigt, dass die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften in Niedersachsen lebendig, innovativ und zukunftsorientiert sind."

Die Themenpalette der in diesem Jahr ausgewählten Projekte reicht von inklusiver Schulsozialarbeit über das Niederdeutsche bis hin zur Archäologie. Insgesamt 64 Anträge auf Förderung sind eingegangen.


Drei beispielhaft ausgewählte Forschungsvorhaben:

Römisch-kaiserzeitliche Bootslandeplätze und Warenumschlagplätze im Bereich der
Allermündung

Fördersumme:195.070 €

Förderbeginn: Dezember 2014

Interdisziplinäre Forschungen haben im vergangenen Jahrzehnt belegen können, dass die Kommunikations- und Austauschstrukturen der Römischen Kaiserzeit im nordwestdeutschen

Küstengebiet sehr viel komplexer entwickelt waren, als dies lange Zeit angenommen worden

ist. Wurden traditionell vor allem jene in unmittelbarer Küstennähe gelegenen Siedlungsplätze als Zentren des überregionalen Warenaustauschs angesehen, deren Fundgut durch zahlreiche Gegenstände römischer Provenienz geprägt waren, so nimmt die Forschung aktuell im Rahmen mehrerer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderter Projekte die Uferzonen der Gewässersysteme von Ems, Weser und Hunte in den Blick. Anlass für diese Forschungen sind in großer Zahl in den Fluss- und Küstenmarschen mit Hilfe von Metalldetektoren geborgene Fundobjekte. In Verbindung mit geologischen und pedologischen Daten sowie Informationen aus historischen Karten und Schriften belegen sie, dass die Wasserläufe die tragenden Elemente des Austauschs waren; bereits in der Zeit um Chr. Geburt kam es zur Anlage von Bootslande- und Warenumschlagplätzen. Wenn sie besonders verkehrsgünstig lagen, wie z.B. an Kreuzungen von Land- und Wasserwegen, bildeten sich an ihnen in Einzelfällen regionale Märkte, die viele Jahrhunderte lang genutzt werden konnten.

Auch im Mündungsbereich der Aller sind in den vergangenen Jahren bei systematischen

Prospektionsarbeiten zahlreiche Metallfunde geborgen worden, die deutliche Konzentrationen aufweisen und damit die Vermutung zulassen, dass auch die Aller während der ersten Jahrhunderte n. Chr. Teil des überregionalen Kommunikationsnetzes war.

Dieses ist zwar bereits von einzelnen Forschern aufgrund geostrategischer Überlegungen vermutet worden, allerdings steht eine Überprüfung dieser These bislang noch aus. Hier will das beantragte Projekt ansetzen, in dem zum einen das gesamte Fundmaterial der ufernahen Fundplätze systematisch kulturhistorisch analysiert und parallel dazu, mit bodenkundlich-landschaftsarchäologischen Methoden eine Rekonstruktion der Landschaft beiderseits des Flusses während der 1. Hälfte des 1. Jt. n. Chr. vorgenommen wird. Dabei können zahlreiche Synergien durch die enge Zusammenarbeit mit aktuell laufenden, von der DFG geförderten Projekten in den nördlich anschließenden Landschaften erwartet werden.

Antragstellerin:

Dr. phil. Annette Siegmüller
Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung
Tel.: 04421- 915114
E-Mail: siegmueller@nihk.de


Organisationale und professionelle Herausforderungen der Sozialen Arbeit in der inklusiven Schule

Fördersumme:137.370 €

Förderbeginn: Juli 2014

Inklusion gilt spätestens seit der UN-Behindertenrechtskonvention und ihrer deutschen Ratifizierung 2009 als Leitbild für die Gestaltung von Bildungseinrichtungen in Deutschland. So hat auch die niedersächsische Landesregierung die Einführung der „Inklusiven Schule" zum Schuljahr 2013/2014 beschlossen. Die bisher geführten Diskussionen um das Konzept Inklusion für die Schule beziehen sich allerdings weitgehend auf die Gestaltung des Unterrichts und weniger auf die Gestaltung des sozialen Ortes Schule. Zudem bleiben sie vielfach auf den Adressatenkreis der Menschen mit Behinderung beschränkt.

Der Inklusionsbegriff und die damit verbundene kritische Hinterfragung des Behindertenbegriffs haben jedoch weiterreichende Konsequenzen - auch für die Schulsozialarbeit und ihrem Verständnis von „sozialer Benachteiligung". In diesem Forschungsprojekt wird analysiert, welche organisationalen und professionellen Herausforderungen sich für die Schulsozialarbeit in einer inklusiven Schule stellen. Im Mittelpunkt stehen dabei Fallwerkstätten mit SchulsozialarbeiterInnen und LehrerInnen, da diese „neue" Praxis zunächst erschlossen werden muss. Es sollen in den Fallwerkstätten ethnographisch erhobene Situationen des Schulsozialarbeitsalltags in inklusiven Schulen in Gruppendiskussionen untersucht werden, um organisationale und professionelle Handlungsmuster und Dilemmata sowie die multiprofessionelle Kooperation mit Lehrkräften und weiteren Personen im Schulalltag zu analysieren. Im Anschluss an dieses Projekt ist geplant, eine größere Untersuchung zur multiprofessionellen Zusammenarbeit in der inklusiven Schule bei einer größeren Stiftung zu beantragen.

Antragstellerin:

Prof. Dr. Melanie Fabel-Lamla
Universität Hildesheim
Tel: 05121/ 883-10156
E-Mail: melanie.fabellamla@uni-hildesheim.de


Repräsentation von migrationsgesellschaftlich relevanter Themen in Schulbüchern und ihre Bedeutung für das schulische Geschehen

Fördersumme: 179.056 €

Förderbeginn: Juli 2014

Der Hauptfokus der gängigen Schulbuchforschung liegt auf der didaktischen Verbesserung der Schulbücher als Lehrmittel. Eher selten hingegen gerät das Schulbuch in seiner Funktion als Medium der Repräsentation gesellschaftlicher Verhältnisse und Ordnungen in den Blick. Das angestrebte Forschungsvorhaben zielt auf eine Untersuchung von Schulbüchern als diskursiv relevantes Medium im migrationsgesellschaftlichen Kontext sowie deren Rezeption durch Lehrer/innen und Schüler/innen im Rahmen des Schulunterrichts. Im Mittelpunkt stehen Schulbücher für das Unterrichtsfach Deutsch in Grundschulen: Die Zielsetzung des Projektes ist deshalb besonders relevant, weil sich im Deutschunterricht bestimmte, für die Migrationsgesellschaft charakteristische Spannungsverhältnisse zeigen und in (niedersächsischen) Grundschulen der Anteil der Schüler/innen mit sogenanntem ‚Migrationshintergrund' besonders hoch ist. Für die projektierte Untersuchung ist die Annahme leitend, dass sich nicht nur das Spannungsverhältnis zwischen nationaler Tradition und migrationsgesellschaftlicher Gegenwart besonders deutlich im Deutschunterricht der GS zeigt, sondern dass auch Figuren des gelingenden schulischen Umgangs mit diesem Spannungsverhältnis markiert und untersucht werden können.

Die zentrale Fragestellung des beantragten Forschungsprojekts lautet: Welche migrationsgesellschaftlichen Differenzen und Themen werden in den Schulbüchern auf welche Weise und mit welchen Effekten relevant, und welche Bedeutung haben sie für das Unterrichtsgeschehen und für die Akteur/innen im Unterricht? Um dieser Frage nachzugehen ist eine mehrdimensionale Untersuchung geplant: Erstens werden an drei verschiedenen Grundschulen (GS) in Niedersachsen die in dem Fach Deutsch (3. Klasse) jeweils verwendeten Lesebücher mit Hilfe eines diskursanalytischen Verfahrens analysiert. Zweitens wird der Umgang der Lehrer/innen und Schüler/innen mit diesen Büchern im Unterricht mittels ethnographischer Beobachtungen untersucht. Drittens werden die Beobachtungen durch die Perspektive der schulischen Akteur/innen (Stegreifgespräche, Interviews mit Lehrer/innen und Gruppengespräche mit Schüler/innen) ergänzt und aufeinander bezogen. Methodologisch orientiert sich die geplante Studie am Forschungsparadigma der Grounded Theory. Die Annäherung an den Untersuchungsgegenstand „Bedeutung des Schulbuchs" soll insofern mit einem Forschungsansatz geschehen, der gleichzeitig offen und theoriegeleitet ist.

Das Prinzip sukzessiver Erkenntnisgewinnung strukturiert den Forschungsprozess. Das Forschungsprojekt ist dezidiert auch als Projekt der method(olog)ischen Entwicklung und Reflexion konzipiert und soll sowohl Erkenntnisse für eine weiterführende und vertiefende empirische Schulforschung und methodologische Reflexion liefern, als auch einen Beitrag zur Konzipierung eines der (niedersächsischen) Migrationsgesellschaft angemessenen Deutschunterrichtes leisteten.

Im Rahmen der Projekts werden Workshops mit projektexternen Expert/innen stattfinden (Prof. Dr. Heidi Rösch (PH Karlsruhe); Prof. Dr. Georg Breidenstein (Uni Halle); Prof. Dr. Michael Schratz (Uni Innsbruck)). Prof. Dr. Hanna Kiper und. Dr. Anke Spies (Uni Oldenburg) sowie Dr. Ayca Polat (Integrationsbeauftrage der Stadt Oldenburg) und Claudia Schanz (Niedersächsisches Kultusministerium) begleiten das Projekt als „critical friends". Ein größeres Folgeprojekt ist nach Abschluss des beantragten Projektes geplant. Die Ergebnisse des Projektes werden in Buchform publiziert.

Antragsteller:

Prof. Dr. Paul Mecheril
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Tel.: 0441 798-2142
E-Mail: paul.mecheril@uni-oldenburg.de


Übersicht aller geförderter Projekte:

Projekt

Antragstellerin/ Antragsteller

Hochschule

Römisch-kaiserzeitliche Bootslandeplätze und Warenumschlagplätze im Bereich der Allermündung

Frau Dr. Annette Siegmüller

Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung,

Wilhelmshaven

Subaquatische und terrestrische Untersuchung zum frühen Neolithikum am Zwischenahner Meer

Herr Prof. Dr. Hauke Jöns

Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung,

Wilhelmshaven

"Das gute Geschirr ..." Entwicklung und Wandel von Formenkreisen im mitteleuropäischen Barbaricum in der Zeit vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. - Keramik im Spannungsfeld zwischen Nordseeküste und Harz

Herr Prof. Dr. Karl-Heinz Willroth

Georg-August-Universität Göttingen

Die Universität Göttingen nach dem Nationalsozialismus. Vergangenheitspolitische Kommunikation am Beispiel der Fächer Geschichte und Physik (1945 - 1965)

Herr Prof. Dr. Dirk Schumann und Prof. Dr. Petra Terhoeven

Georg-August-Universität Göttingen

Ehen auf dem Prüfstand? Alternative Lebensentwürfe in den Küstengebieten Oldenburgs und Ostfrieslands zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert

Frau Prof. Dr. Dagmar Freist

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Selbstzeugnisse der Frühen Neuzeit in der Herzog August Bibliothek. Digitale Edition des Tagebuchs von Herzog August d. J., Selbstzeugnis-Repertorium und Forschungsportal

Herr Prof. Dr. Helweg Schmidt-Glintzer

Herzog August Bibliothek,

Wolfenbüttel

Islamische Pädagogik in klassischer und nachklassischer Zeit (8.-18. Jh.): Neue Themen und Perspektiven der historischen Bildungsforschung im Kontext der Digital Humanities

Herr Prof. Dr. Sebastian Günther

Georg-August-Universität Göttingen

Niederdeutsch in Westfalen - Historisches Digitales Textarchiv

Herr Prof. Dr. Harald Haferland

Universität Osnabrück

Eine kommentierte lateinisch-deutsche Anthologie Osnabrücker Jesuitendichtung aus der Zeit der Universitätsgründung (1632)

Herr Prof. Dr. Stephan Heilen

Universtät Osnabrück

Repräsentation von migrationsgesellschaftlich relevanter Themen in Schulbüchern und ihre Bedeutung für das schulische Geschehen

Herr Prof. Dr. Paul Mecheril

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Inklusive Schulsozialarbeit: Organisationale und professionelle Herausforderungen der Sozialen Arbeit in der inklusiven Schule

Frau Prof. Dr. Melanie Fabel-Lamla

Stiftung Universität Hildesheim

Fallarbeit und Fallperspektiven. Eine komparative Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden kindheitspädagogischer Handlungsfelder

Herr Prof. Dr. Peter Cloos

Stiftung Universität Hildesheim

Die Implementierung von CLIL (Content and Language Integrated Learning) in Niedersachsen: Entwicklungsperspektiven

Frau Prof. Dr. Kristin Kersten

Stiftung Universität Hildesheim

Diskursive Repräsentationen ländlicher Räume in Niedersachsen

Frau Prof. Dr. Christine Tamásy

Universität Vechta

Kulturelle Diversität als kuratorisches Konzept: Strategien und Narrative der Inszenierung und Dekonstruktion auf transnationalen PerformingArts-Festivals

Herr Prof. Dr. Volker Kirchberg

Leuphana Universität Lüneburg

Toleranzförderung in strukturschwachen Kleinstädten Niedersachsens (TosKaN)

Frau Prof. Dr. Yvette Völschow

Universität Vechta

Kreative und 'ihre' Stadt - Netzwerke und Dritte Orte kreativ-urbaner Milieus als Ressourcen der Vielfalt in der strategischen Stadtentwicklungsplanung

Frau Prof. Dr. Grit Leßmann

Ostfalia Hochschule,

Braunschweig/Wolfenbüttel

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Artikel-Informationen

18.06.2014

Ansprechpartner/in:
Pressestelle MWK

Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibnizufer 9
30169 Hannover
Tel: 0511/120-2599
Fax: 0511/120-2601

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