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Pünktlich zum Welttag des Buches geht das Landesbündnis für Alphabetisierung und Grundbildung an den Start

Sharepic, das Minister Björn Thümler und ein Zitat zeigt   Bildrechte: MWK

Am 23. April feiern Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterte den „UNESCO-Welttag des Buches“. Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler nimmt das Lesefest zum Anlass, auf die große Bedeutung von positiven Leseerfahrungen im Kindesalter für die Förderung von literalen Kompetenzen hinzuweisen. „Ich wünsche mir, dass alle Eltern ihren Kindern etwas vorlesen“, so Thümler.

Allerdings sind zwölf Prozent der erwachsenen Bevölkerung, das heißt rund 620.000 Menschen in Niedersachsen laut der aktuellen Leo-Studie von funktionalem Analphabetismus betroffen. Das heißt: Sie können lediglich unzureichend lesen und schreiben. „Das darf die Gesellschaft nicht in Kauf nehmen“, so der Minister. „Das Land fördert zwar schon seit Jahren Grundbildungs- und Alphabetisierungskurse, aber wir müssen mehr tun. Es bedarf gemeinsamer Anstrengungen aller relevanten Akteure aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.“

Dazu wurde in dieser Woche die Gründung eines Landesbündnisses für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Niedersachsen mit der letzten Unterschrift unter einer gemeinsamen Erklärung besiegelt. Die 20 Gründungsorganisationen, darunter Unternehmerverbände, die Bundesagentur für Arbeit, Gewerkschaften, Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtungen wollen sich für mehr Grundbildung und Alphabetisierung in Niedersachsen engagieren.

Das neue Bündnis will Menschen mit unzureichender Grundbildung durch geeignete Initiativen und Maßnahmen zu einer besseren beruflichen, sozialen und ökonomischen Teilhabe befähigen. „Ich freue mich, dass wir dieses neue Bündnis an den Start gebracht haben und habe gern die Schirmherrschaft dafür übernommen“, so Thümler. „Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel: Wir wollen möglichst viele Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten erreichen sowie deren Umfeld, um ihnen Wege zu einem selbstbestimmten Leben zu ermöglichen.“

„Grundbildung bedeutet mehr als nur Alphabetisierung“, sagt Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall. „Grundbildung ist ein facettenreicher Begriff, der grundlegende Fähigkeiten auch in Bereichen wie Finanzen, Mathematik und digitale Bildung umfasst. Mit einem breit aufgestellten Bündnis kann dem Rechnung getragen werden.“

Dr. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt sieht Alphabetisierung als „die Voraussetzung für jeden Menschen, am gesellschaftlichen Leben und in der Arbeitswelt teilzuhaben. Der strukturelle Analphabetismus ist aber nach wie vor in weiten Teilen der Gesellschaft ein Tabuthema. Im Bündnis wollen wir gemeinsam erreichen, dass dieses Tabu gebrochen wird. Wir brauchen passgenaue Angebote für alle – und besonders für Menschen im Arbeitsleben. Unser Ziel für das Bündnis ist die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie für erfolgreiche Bildungsketten.“

Auch die Diakonie begrüßt die Bündelung von Aktivitäten zur Grundbildung. „So gehen wir aktiv gegen die immer weiter auseinander gehende Schere von Arm und Reich in unserem Land vor“, so Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen. „Wir sehen, dass die Coronapandemie zur Verschlimmerung sozialer Problemlagen beigetragen hat. Wir müssen eine Öffentlichkeit für das Thema schaffen, damit Arbeitgeber, Freunde und Familien erfahren, dass es Unterstützungsangebote gibt und Betroffene ermutigt werden, diese anzunehmen. Wichtig ist, dass Betroffene ihre Scham überwinden und sich trauen, z.B. Lesen und Schreiben zu lernen. Als Diakonie unterstützen wir gerne auf kommunaler wie auf Landesebene mit unserem Fachwissen und unseren Netzwerken das Bündnis fachlich und strukturell.“

Im Juni soll das Arbeitsprogramm ausgearbeitet werden, in dem die Ziele der gemeinsamen Erklärung konkretisiert und spezifische Vorhaben definiert werden. Im nächsten Schritt soll auch ein Grundbildungsportal online gehen. Mit der Koordinierung des Landesbündnisses wurde die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung beauftragt.

Das Land stärkt die Unterstützungsangebote für Menschen mit geringer Literalität in Niedersachsen konsequent. Zusätzlich zu acht bestehenden Regionalen Grundbildungszentren, die im Rahmen eines Landesprogramms gefördert werden, wurden jüngst 2020 zwei neue Grundbildungszentren in Diepholz und Lingen an den dortigen Volkhochschulen eingerichtet. Die nun zehn Regionalen Grundbildungszentren werden mit jährlich 250.000 Euro finanziert. Über die Finanzhilfe fördert das Land daneben Angebote zur Alphabetisierung und Grundbildung 2021 mit 2,9 Millionen Euro.

Die Partner im Landesbündnis für Grundbildung in Niedersachsen sind:

  • Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
  • Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen
  • Unternehmerverbände Niedersachsen e.V.
  • NiedersachsenMetall – Verband der Metallindustriellen Niedersachsens e.V.
  • DGB-Bezirk Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt
  • BARMER Landesvertretung Niedersachsen/Bremen
  • AOK – Die Gesundheitskasse für Niedersachsen
  • Akademie für Leseförderung Niedersachsen
  • Landesverband Niedersachsen im Deutschen Bibliotheksverband e.V.
  • Internationaler Bund
  • Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V.
  • LAG der Freien Wohlfahrtspflege in Niedersachsen e.V.
  • Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
  • Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen
  • Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
  • Katholisches Büro Niedersachsen
  • Niedersächsischer Bund für freie Erwachsenenbildung e.V.
  • Landesverband der Volkshochschulen Niedersachsen e.V.
  • Evangelische Erwachsenenbildung Niedersachsen
  • Ländliche Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V.

Presseinformationen

Artikel-Informationen

erstellt am:
22.04.2021

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