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Durchbrüche: Ausschreibung zur Unterstützung von Kooperationsprojekten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Wissenschaft leistet auf Basis von erkenntnisorientierter Grundlagenforschung mit ihrer an-wendungsorientierten Forschung einen Beitrag zu wirtschaftlicher Wertschöpfung, internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen. Hierzu müssen Erkenntnisse aus der Wissenschaft erfolgreich in Gesellschaft und Wirtschaft über-führt werden. Im niedersächsischen Hochschulgesetz ist „die Förderung des Wissens- und Technologietransfers“ eine ausdrückliche Aufgabe der Hochschulen.

In einem gemeinsamen Positionspapier zum Wissens- und Technologietransfer haben sich die Landeshochschulkonferenz und das Ministeriums für Wissenschaft und Kultur im Februar 2020 auf das Ziel verständigt, auf der Basis von Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie gemeinsam den „Kulturwandel“ zur stärkeren Berücksichtigung des Transfers als Aufgabe der Wissenschaft zu unterstützen. Hierzu wurden unterschiedliche Handlungsfelder identifiziert, eines davon ist „Konkrete Transferprojekte und co-kreative Forschung fördern“.

Dies basiert auf der Überzeugung, dass Inventionen ihren Ursprung oftmals in der Wissenschaft haben, ihre volle Wirkung aber erst entfalten, wenn sie in Wirtschaft und Gesellschaft als Innovation realisiert werden und sich dank breiter Diffusion erfolgreich durchsetzen. Forschungsprojekte, die von Anfang an gemeinsam von Wissenschaft und Praxis formuliert und durchgeführt werden (im Sinne von ‚open innovation‘ bzw. ‚co-design & co-production‘ - Ansatzes), sind hierfür zielgerichteter und bedarfsgerechter. Sie ermöglichen daher, dass Ergebnisse schneller und erfolgreicher in die Anwendung gebracht bzw. auf den Markt eingeführt werden.

Derzeit gibt es zu wenig flexible und schnelle Förderinstrumente, um diese kooperativen Forschungs- und Transferprozesse bedarfsgerecht zu unterstützen. Diese Förderlücke soll mit der vorliegenden Ausschreibung geschlossen werden.

Damit trägt die Ausschreibung auch den strategischen und operativen Zielen der „Niedersächsischen regionalen Innovationsstrategie für intelligente Spezialisierung (RIS3) für den Zeitraum 2021-2027 Rechnung, insbesondere dem Teilzielen „Spitzenforschung durch bedarfs-gerechte Kooperationen von Wirtschaft und Wissenschaft auszubauen“ und „einen aktiven regionalen und grenzübergreifenden Wissenstransfer zur Skalierung innovativer Ideen zu schaffen“.

Ziel

Vor diesem Hintergrund ist es Ziel der Ausschreibung, kooperative Forschungsprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern, in denen co-kreativ Forschungsergebnisse mit hohem Innovationspotential geschaffen und/ oder signifikant weiterentwickelt werden und hier-durch einen Beitrag zur Förderung des Wissens- und Technologietransfers geleistet wird.

Gesucht werden dabei besonders kreative und zugleich risikofreudige Ideen und Konzepte, die sich ausgehend von der Grundlagen- bzw. anwendungsorientierten Forschung an bedeutende wissenschaftliche, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Herausforderungen heranwagen, ambitioniert innovativ sind und eine signifikante Verbesserung des bestehenden technischen Status-Quo (im Sinne des Transfers zu höheren Technologiereifegraden) versprechen oder ein hohes Potential für marktverändernde Wirkung aufweisen.

Zugleich sollen die Vorhaben dazu dienen, für die Zukunft relevante, neue Forschungsfragen zu identifizieren.

Förderung

Die Ausschreibung richtet sich an niedersächsische Hochschulen in staatlicher Verantwortung (§2 NHG) und vom Land finanzierte Forschungseinrichtungen mit Sitz in Niedersachsen. Nur diese sind antragsberechtigt und förderfähig.

Förderfähig sind wissenschaftlich-technische Forschungsvorhaben ohne thematische Einschränkung auf bestimmte Technologiefelder oder Branchen. Besonders begrüßt werden Vor-haben, die sich den großen, für Niedersachsen besonders relevanten Transformationsprozessen in den Bereichen Mobilität, Energie, Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie Gesundheit zuordnen lassen und/ oder sich Schlüsseltechnologien widmen (z.B. Modernisierung der Produktionssysteme: z.B. Additive Fertigung, Nanomaterialien, Optik und Photonik inkl. Messtechnik und medizinische Bildgebung; Biotechnologisierung und neue molekularbiologische Werk-zeug; Digitalisierung: z.B. Künstliche Intelligenz, Quantencomputer).

Die Forschungsvorhaben müssen vorwettbewerblich und transferorientiert sein. Es werden bei diesen Vorhaben positive externe Effekte (Wissens-Spillover) erwartet, von denen auch Organisationen profitieren, die nicht an den Projektkonsortien beteiligt sind.

Im Sinne der Ausschreibung wird ein gemeinsam erarbeiteter Antrag von mindestens einer Professor*in einer o.g. nds. Hochschule bzw. einer leitenden Wissenschaftler*in einer Forschungseinrichtung und mindestens einem Unternehmen erwartet.

Die Förderhöchstgrenze (auf Ausgabenbasis) liegt bei 1 Mio. Euro für einen Zeitraum von maximal 2 Jahren.

Die öffentliche Förderung muss zwingend durch eine private Finanzierung des beteiligten Unternehmens bzw. der beteiligten Unternehmen in gleicher Höhe ergänzt werden. Dabei wer-den neben Geld- auch in-kind Leistungen anerkannt (vorhabenbezogene Sach-, Dienst- oder Personalleistungen sowie Bereitstellung von Versuchsanlagen, Geräten oder Material). Beteiligte Unternehmen erhalten keine öffentliche Förderung.

Die Förderung der wissenschaftlichen Antragsteller*in steht für Personal- und Sachmittel zu Verfügung. Ausgaben für wissenschaftliche Geräte und Infrastrukturen sind auf 10% des öffentlichen Fördervolumens beschränkt (max. 100.000 EUR). Förderfähig sind auch Druck- bzw. Publikationskosten (Open Access) für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen.

Antragstellung

Für den Antrag ist folgende Gliederung vorzusehen:

1. Zusammenfassung des Projektvorschlags (maximal eine Seite: Ziele, Lösungsweg, Verwertung der Ergebnisse)

2. Ziele

  • Motivation und Gesamtziel des Verbunds
  • wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz des Themas
  • wissenschaftliche und technische Arbeitsziele des Verbunds, angestrebte Innovationen

3. Stand von Wissenschaft und Technik sowie eigene Arbeiten

  • Problembeschreibung,
  • Stand der Wissenschaft und Technik (auch international),
  • Neuheit und Attraktivität des Lösungsansatzes, Vorteile gegenüber konkurrierenden Lösungsansätzen,
  • Vorstellung des Konsortiums, Rolle der Partner*innen im Verbund, bisherige Arbeiten der Verbundpartner*innen mit Bezug zu den Zielen des Verbundprojekts,
  • Darstellung der Interdisziplinarität des Konsortiums sowie deren Notwendigkeit für die Erreichung des gesetzten Ziels,
  • Ort der Forschungstätigkeit,
  • bestehende Schutzrechte (eigene und Dritter),
  • Abgrenzung zu bereits öffentlich geförderten FuE-Vorhaben (sowohl unter Beteiligung der Antragsteller*in als auch ohne Beteiligung)

4. Arbeitsplan

  • Beschreibung der Arbeitspakete sowie der involvierten Verbundpartner*innen,
  • Darstellung der geplanten Zusammenarbeit,
  • Partnerspezifische Arbeits- und Zeitplanung.

5. Entwicklungs- und Verwertungsplan

  • wissenschaftliche, technische und wirtschaftliche Ergebnisverwertung durch die beteiligten Partner*innen, Verwertungsstrategie, Darstellung des Marktpotenzials,
  • positive Hebelwirkung für den Standort.

6. Notwendigkeit der Förderung

  • wissenschaftlich-technisches und wirtschaftliches Risiko mit Begründung der Notwendigkeit staatlicher Förderung,
  • tabellarische Finanzierungsübersicht (Angabe von Kostenarten und Eigenmitteln)

Im Anhang ist eine Stellungnahme zum Umgang mit wissenschaftlichen Daten (in Anlehnung an die sog. FAIR-Prinzipien zum Umgang mit wissenschaftlichen Daten) beizulegen, die das Datenmanagement und die Datengovernance, auch nach Ende der Projektförderung, sowie Anschlussfähigkeit an nationale (NFDI) und europäische Informationsinfrastrukturen darstellt. Ferner ist die Berücksichtigung von Gender- und Diversityaspekten während der Projektdurchführung darzustellen.

Umfang und Einreichung

Der Antrag ist in deutscher Sprache zu verfassen und sollte den Umfang von 15 Seiten zuzüglich Anhang nicht übersteigen. Ein zusammenfassender Zeit- und Arbeitsplan sowie ein Aus-gabenplan sind tabellarisch beizulegen.

Der Antrag kann entsprechend der Regelungen der jeweiligen Hochschule elektronisch eingereicht werden unter: elisabeth.heyer@mwk.niedersachsen.de.

Anträge können laufend, zunächst bis zum 1. Juni 2023 eingereicht werden.

Auswahlkriterien und Begutachtung

Die Förderung des MWK erfolgt bei positiver Begutachtung der Anträge im Rahmen einer Jurysitzung auf „first-come-first-serve“ Basis bis die Fördermittel ausgeschöpft sind.

Es wird daher empfohlen vor Antragserstellung beim MWK unverbindlich nach dem aktuellen Stand der Verfügbarkeit von Fördermitteln anzufragen (elisabeth.heyer@mwk.niedersachsen.de; Tel. 0511-120-2581).

Um dem Charakter des Programms gerecht zu werden, gibt es einen raschen Entscheidungsrhythmus. Dazu wird bis zu drei Mal im Jahr eine unabhängige Jury digital einberufen, die auf Basis des Antrags und einer Anhörung der Antragsteller*innen über die Förderwürdigkeit des Vorhabens berät. Organisiert wird dieser Prozess vom Innovationszentrum Niedersachsen, das für die Jury zwei unabhängige Vertreter*innen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie zwei interne Expert*innen benennt.

Auf Basis der Förderempfehlung der Jury entscheidet das MWK über die Förderung vor dem Hintergrund der verfügbaren Mittel.

Angesichts der Ziele der Ausschreiung sind Auswahlkriterien:

  • Wirtschaftliche Relevanz des Problems/ Vorhabens,
  • Vorhandene wissenschaftliche Basis zur erfolgreichen Bearbeitung des Vorhabens und Qualifikation der Antragsteller*innen,
  • Innovationshöhe des wissenschaftlich (ggf. -technischen) Lösungsansatzes,
  • Umfang der angestrebten Weiterentwicklung (Technologiereifegrad),
  • Umsetzbarkeit des Vorhabens
  • Potenzial für Wissens- und/ oder Technologietransfer,
  • Potenzial für Marktveränderungen,
  • Zu erwartende Wirkung auf das niedersächsische Innovationssystem,
  • Angemessenheit der beantragten Mittel bezüglich der bedarfsgerechten Durchführung der Maßnahmen,
  • Stellungnahme zur Gender- und Diversitygerechtigkeit
  • Stellungnahme zum Datenmanagement.

Durchführung

Für die jeweiligen Projekte ist ein Kooperationsvertrag abzuschließen, der u.a. sicherstellt, dass die Ergebnisse der öffentlich finanzierten Arbeiten angemessen veröffentlicht werden (vgl. § 25 Abs 2 HRG und „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der DFG, 2019) und, dass etwaige geistige Eigentumsrechte demjenigen Partner zustehen, der sie er-arbeitet hat. Bei Gemeinschaftsergebnisse sind geeignete Anteilsmodelle festzulegen. Es wird empfohlen, sich dabei an den Mustervertrag der DFG anzulehnen.

Es wird ferner erwartet, dass die Projektpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft im vorwettbewerblichen Bereich und unter Wahrung ihrer Geschäftsgeheimnisse einen unternehmens- bzw. organisationsübergreifenden, intensiven Erfahrungsaustausch aktiv mitgestalten und ggf. an öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen des MWK mitarbeiten.

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