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Niedersächsischer Literaturpreis 2026 für Katerina Poladjan und Henrik Szántó
Kulturminister Falko Mohrs: „Literatur wird Ort der Selbstbefragung“
Kulturminister Falko Mohrs zeichnet die Schriftstellerin Katerina Poladjan und den Schriftsteller Henrik Szántó mit dem Niedersächsischen Literaturpreis 2026 aus. Katerina Poladjan erhält den Nicolas-Born-Preis, der Debütpreis geht an Henrik Szántó.
„Katerina Poladjan und Henrik Szántó richten in ihren Erzählungen den Blick auf die feinen Verflechtungen zwischen Menschen. Ihre Figuren bewegen sich fragend durch die Erzählungen. Teils verharren sie zögernd, teils handeln sie ungestüm, teils nähern sie sich in Tagträumen ihren Wünschen und Ängsten an. Darin stehen ihre Texte in der Tradition Nicolas Borns. Literatur wird so zu einem Ort der Selbstbefragung und zum Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen“, sagt Kulturminister Falko Mohrs.
Die Preisverleihung wird am 24. September in Hannover stattfinden. Die Preise sind mit insgesamt 30.000 Euro dotiert und werden auf Empfehlung der Niedersächsischen Literaturkommission vergeben.
Die Schriftstellerin Katerina Poladjan, 1971 in Moskau geboren, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreis. Die Literaturkommission begründet ihre Empfehlung wie folgt:
„In ihren bemerkenswert knappen Romanen (In einer Nacht, woanders; Vielleicht Marseille; Hier sind Löwen; Zukunftsmusik; Goldstrand) erzählt Katerina Poladjan Geschichte als Geschichten in einem Ensemble von Figuren. Hier dominieren nicht Einzelne, sondern im Zusammenspiel ergeben sich soziale, auch politische Panoramen. Selten gingen ein ernsthafter Kunstanspruch und allerbeste Lesbarkeit, historische Tiefe, empathische Erkenntnis über die condition humaine und ein leichtfüßiger Humor so gut zusammen wie im Werk Katerina Poladjans.
Auch ihr jüngster Roman Goldstrand weist diese Qualitäten auf. Er verknüpft eine Herkunft aus der Ukraine mit einer römischen Gegenwart, ist aufgespannt zwischen den großen Ideologien des 20. Jahrhunderts, ist zugleich auch eine Familien- und Migrationsgeschichte, eine Ode an die ewige Stadt und an das italienische Kino. Ob in einer Zwangswohngemeinschaft, in der Praxis einer Psychoanalytikerin oder auf einem Roadtrip wie im Film – Katerina Poladjan beherrscht die große Gabe des Erzählens meisterhaft, zu der auch die Kunst des Weglassens und ein Vertrauen in die Imaginationen ihrer Leserschaft gehören.“
Schriftsteller Henrik Szántó, 1988 in Frankfurt am Main geboren, wird mit dem Debütpreis ausgezeichnet. Dieser ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Jury schreibt zu Ihrer Empfehlung:
„Henrik Szántó erhält den Nicolas Born Debütpreis des Landes Niedersachsen 2026 für seine vielfältigen literarischen Texte, insbesondere für sein jüngstes Werk Treppe aus Papier. Der geschickt strukturierte Roman, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart überlagern, spricht von Verantwortung und Gewalt, von der „Banalität des Bösen“ (H. Arendt) in Vergangenheit und Gegenwart, doch genauso von Überleben, Schutz und Hinwendung zum anderen. Henrik Szántó zeigt hier nicht nur die geschärfte Wahrnehmung eines Autors der jungen Generation auf die jüngere deutsche Geschichte, er erweist sich auch als sehr talentierter Erzähler.“
Artikel-Informationen
erstellt am:
10.06.2026
Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur
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