Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Genderforschung

Weshalb ist nur etwa jede dritte Führungsposition in Deutschland mit einer Frau besetzt? Wie wird der weibliche Körper in der Medizin erforscht, untersucht und behandelt im Gegensatz zum männlichen?


Definition Genderforschung

Genderforschung untersucht die Entstehung, Reproduktion und Wirkung gesellschaftlicher Geschlechterordnungen sowie deren Wechselwirkungen mit anderen Macht-, Ungleichheits- und Diskriminierungsverhältnissen. Dabei wird analysiert, wie Geschlecht mit weiteren sozialen Kategorien und Strukturmerkmalen, wie etwa soziale Herkunft, Migration, Alter, Religion oder Care-Verpflichtungen, verschränkt ist und so Lebensrealitäten unterschiedlich beeinflusst. Zugleich befasst sich die Genderforschung mit der gesellschaftlichen und gelebten Vielfalt von Geschlecht und hinterfragt bspw. bestehende Normen, Wissensordnungen und institutionelle Strukturen.

Integration der Genderdimension in die Forschung

In den vergangenen Jahren hat sich die Berücksichtigung von Geschlechter- und Diversitätsperspektiven zu einem integralen Bestandteil nahezu aller wissenschaftlichen Disziplinen entwickelt. Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass die systematische Einbeziehung dieser Dimensionen in die Konzeption und Durchführung von Forschungsvorhaben nicht nur zur wissenschaftlichen Qualität beiträgt, sondern auch das Innovationspotenzial deutlich erhöht.


Eine gender- und diversitätssensible Ausrichtung von Forschungsvorhaben kann diese inhaltlich schärfen und neue Perspektiven auf wissenschaftliche und gesellschaftliche Problemstellungen eröffnen. Durch geschlechter- und diversitätssensible Ansätze werden zudem Erfahrungen, Lebensrealitäten und Bedarfe von Gruppen stärker berücksichtigt, die in Forschung und Wissensproduktion bislang häufig unterrepräsentiert oder nicht ausreichend einbezogen wurden. Auf diese Weise können Forschung und Innovation inklusiver gestaltet sowie Technologien, Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden, die unterschiedliche Nutzungsweisen und gesellschaftliche Anforderungen besser berücksichtigen.


Die Integration dieser Perspektiven, etwa bei der Entwicklung von Forschungsfragen und -designs, wird zunehmend auch institutionell eingefordert. Projekte, die über zukunft.niedersachsen gefördert werden, müssen sich zur Einbeziehung von Genderdimensionen im Antrag positionieren. Dies spiegelt sich auch in den Anforderungen europäischer Förderprogramme wie Horizon Europe, die Genderdimensionen – sofern nicht ausdrücklich anders angegeben - als verbindlichen Bestandteil von Forschungs- und Innovationsvorhaben voraussetzen. Dazu die Europäische Kommission: Die Rolle des Geschlechts in Forschung und Innovation zu verstehen, verbessere die soziale Relevanz des generierten Wissens, der Technologien und Innovationen.


Zentren, Netzwerke und die LAGEN

Genderforschung ist in Niedersachsen ein wichtiger Teil der Forschungslandschaft. Im Land haben sich verschiedene Zentren und Netzwerke etabliert, um das Forschungsfeld sichtbar zu machen. Eine aktuelle Liste finden Sie rechts im grauen Infokasten.

Im Jahr 2007 wurde die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauen- und Geschlechterforschung in Niedersachsen (LAGEN) gegründet. Die LAGEN hat durch nachhaltige Vernetzung der Einrichtungen das strukturelle Umfeld zur Entfaltung der Genderforschung weiter gestärkt. Ein Beispiel hierfür ist der Interdisziplinäre Niedersächsische Doktorand_innentag Gender Studies, den die LAGEN bereits seit 2010 mit dem Ziel veranstaltet, Nachwuchswissenschaftler:innen die Möglichkeit zur Vernetzung zu bieten und das Studien- und Forschungsfeld der Gender Studies sichtbar zu machen.

Im März 2026 ist zudem das Projekt „Forschungsverbundberatung“ (FoVerBe) an den Start gegangen, das für eine Laufzeit von fünf Jahren vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) gefördert wird. Ziel ist es, Forschungsverbünde bei der systematischen und nachhaltigen Integration von Gender- und Diversityaspekten in ihren Forschungsvorhaben zu unterstützen. Die Beratung startet im Herbst 2026. Ansprechpartnerin hierzu ist Dr. Jennifer Dahmen-Adkins.


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