Alphabetisierung und Grundbildung
In Niedersachsen können schätzungsweise über 600.000 Menschen auch kürzere Texte nur mit Einschränkungen lesen und schreiben. Sie gelten als gering literalisiert (ehemals: funktionale Analphabeten). Die Ergebnisse der Studie “Leo 2018 – Leben mit geringer Literalität“ der Universität Hamburg zeigen, dass in ganz Deutschland etwa 12 Prozent (6,2 Millionen) der deutschsprachigen Erwachsenen hiervon betroffen sind.
Die Landesregierung unterstützt daher die Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit als wichtige bildungspolitische Aufgabe der niedersächsischen Erwachsenenbildung. Lesen und Schreiben sind wichtige Voraussetzungen für die eigene Selbstbestimmung, die individuelle Geschäftsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.
Maßnahmen gegen geringe Literalisierung
Zur Reduktion der geringen Literalsierung werden beispielsweise im Rahmen der aktuellen EU-Förderperiode 2021-2027 über den Europäischen Sozialfonds (ESF+) und die in diesem Kontext von MWK verantwortete Richtlinie „Grundbildung bei Erwachsenen“ seit 2024 rund 7 Millionen Euro von der EU für Maßnahmen der Grundbildung und Alphabetisierung sowie für den Zweiten Bildungsweg in Niedersachsen zur Verfügung gestellt. Niedersachsen steuert in derselben Periode jährlich ca. 1,4 Mio. Euro und insgesamt etwa 7,25 Mio. Euro über eine Finanzierung aus dem Landeshaushalt, eine zeitgleiche Kofinanzierung, bei.
In der Kofinanzierung in Höhe von jährlich 1,4 Mio. Euro enthalten sind auch Maßnahmen zur Neu- und Weiterentwicklung bestehender Konzepte der Didaktik, Ansprache und Erreichbarkeit oder Vernetzung im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung oder im Bereich der Vorbereitung für Kurse zum nachträglichen Erwerb von Haupt- und Realschulabschlüssen.
Die Regionalen Grundbildungszentren
Die Landesregierung hat darüber hinaus Regionale Grundbildungszentren eingerichtet. An zehn Standorten in Niedersachsen (Braunschweig, Diepholz, Göttingen, Hannover, Hannover, Lüneburg, Meppen, Oldenburg, Osnabrück, Stade, Weserbergland) übernehmen sie eine Ansprechpartnerfunktion für die Betroffenen, entwickeln und erproben neue Bildungsansätze zur Reduktion der geringen Literalisierung; hierbei wird die individuelle Lebenswirklichkeit der Betroffenen in besonderer Weise berücksichtigt.
Die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung, ein Dienstleister im Bereich der niedersächsischen Erwachsenenbildung, unterstützt und begleitet die Regionalen Grundbildungszentren inhaltlich. Die Agentur entwickelt Handlungsempfehlungen und themenbezogene Fortbildungsangebote für Mitarbeitende der niedersächsischen Erwachsenenbildung im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung. Die Regionalen Grundbildungszentren werden jährlich mit 300.000 Euro gefördert.
Nationale Dekade für Alphabetisierung
Mit diesen Vorhaben beteiligt sich das Land Niedersachsen an der Nationalen Dekade für Alphabetisierung Erwachsener in Deutschland und beschreitet eigene innovative Wege zur Bekämpfung von geringer Literalisierung.
Im Rahmen der von 2016 bis 2026 dauernden Dekade wollen Bund, Länder und gesellschaftspolitische Partner die Lese- und Schreibfähigkeiten von Erwachsenen deutlich verbessern. Ziel der Niedersächsischen Landesregierung ist dabei konkret der Ausbau des Kursangebotes sowie die Ermöglichung einer aufsuchenden und sensiblen Zielgruppenansprache, was insbesondere auch über verschiedene Projekte im Rahmen der oben genannten Förderung aus dem ESF+ gewährleistet wird.
Das Landesbündnis Grundbildung
Im Rahmen der Dekade für Alphabetisierung Erwachsener wurde in Niedersachsen außerdem gemeinsam mit gesellschaftlichen Partnern ein Landesbündnis Grundbildung ins Leben gerufen. Ziel des Bündnisses ist neben dem Ausbau des Kursangebotes zudem die Vernetzung der landesweit agierenden Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, um die Arbeit in diesem Bereich zu intensivieren und gering Literalisierten individuell gewinnbringende Unterstützung für möglichst vollumfängliche gesellschaftliche Zugehörigkeit zu bieten.Artikel-Informationen
