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Niedersächsischer Landtag beschließt einstimmig Fusion von Universität und Fachhochschule Lüneburg

Erster Zusammenschluss von Uni und FH in Deutschland


LÜNEBURG/HANNOVER. Der Niedersächsische Landtag hat (Mittwoch, 16.9.) die Fusion der Universität mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen einstimmig beschlossen. Mit dem gestern verabschiedeten Gesetz zur Fusion kann die Modelluniversität zur Einführung neuer Studienabschlüsse im Zuge des Bologna-Prozesses zum 1. Januar 2005 in Lüneburg starten. "Jetzt muss die Fusion mit Leben gefüllt werden", kommentierte Lutz Stratmann, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, die einhellige Zustimmung des Parlaments zu einer Entscheidung, die die Landesregierung vor einem Jahr im Rahmen des "Hochschuloptimierungskonzeptes" getroffen hatte. Stratmann bedankte sich im Anschluss an die Abstimmung bei allen Beteiligten für das schnelle Zustandekommen des beschlossenen Gesetzentwurfes, namentlich bei den hochschulpolitischen Sprecherinnen Dr. Gabriele Andretta (SPD), Dr. Gabriele Heinen-Kljajic (Bündnis 90/Die Grünen), Katrin Trost (CDU) und dem FDP-Wissenschaftsexperten Prof. Dr. Dr. Roland Zielke. Sein Dank richtete sich auch an den haushaltspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion Bernd Althusmann aus dem Wahlkreis Lüneburg. Der Minister betonte in diesem Zusammenhang auch die Verdienste der Präsidentin der bisherigen Fachhochschule, Prof. Dr. Christa Cremer-Renz sowie des Präsidenten der bisherigen Universität, Prof. Dr. Hartwig Donner. "Wer jetzt noch den Zusammenschluss in Lüneburg blockiert", so Stratmann, "schadet dort der neuen Universität und der Region." Niedersachsen könne stolz darauf sein, mit der Modelluniversität in Lüneburg in Deutschland und Europa eine herausragende Vorreiterrolle einzunehmen.

Chronik der Fusion

23. September 2003

Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Lutz Stratmann präsentiert in Lüneburg die Veränderungen für den dortigen Hochschulstandort auf der Grundlage des in seinem Haus erarbeiteten "Hochschuloptimierungskonzeptes (HOK)": Uni und FH sollen fusionieren und zur Modelluniversität für den Bologna-Prozess (europaweite Einführung einheitlicher Studienabschlüsse Bachelor und Master) werden. Der FH-Standort Buxtehude wird aufgegeben und bildet die Basis für die Gründung einer privaten Fachhochschule in enger Kooperation mit der Wirtschaft.

21. Oktober 2003

Die Landsregierung verabschiedet das Hochschuloptimierungskonzept.

26. Mai 2004

Erste Beratung des Gesetzentwurfes zur Fusion im Landtag.

21. Juni 2004

Anhörung aller Statusgruppen der beteiligten Hochschulen im Landtag.

August/September 2004

Intensive Beratungen des Landtagsausschusses für Wissenschaft und Kultur insbesondere über die Finanzierung der Fusion.

14. September 2004

Die im Landtag vertretenen Parteien CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen einigen sich über die Finanzierung der erwarteten Fusionskosten.

15. September 2004

Der Landtag verabschiedet das "Gesetz zur Fusion der Universität Lüneburg und der Fachhochschule Nordostniedersachsen" einstimmig. Es tritt am 1. Oktober 2004 in Kraft und wird zum 1. Januar 2005 wirksam.

Vier gute Gründe für die Fusion in Lüneburg:

Mitarbeiter wie Studierende profitieren vom Zusammenschluss aus Fachhochschule und Universität

Von Prof. Dr. Detlef Müller-Böling, Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), Gütersloh

Freiwillig war sie nicht, eher aus der Not geboren. Die Fusion der beiden Lüneburger Hochschulen entsprang zuerst einmal lediglich dem Wunsch zur Sicherung des Status Quo. Ganze Fachbereiche drohten den Einsparzielen des Landes zum Opfer zu fallen. Gemessen hieran war und ist die Fusion zunächst kaum etwas anderes als das kleinere Übel. Mit dem Nachdenken über die Perspektiven kristallisieren sich allerdings immer klarer außerordentliche Chancen heraus, und zwar insbesondere bei einer konsequenten Orientierung der neuen Universität am Leitbild einer Modelluniversität im Rahmen des Bologna-Prozesses. Zum Erreichen dieses Ziels sind wesentliche Weichen für die Neue Universität im vorliegenden Gesetzentwurf für die Fusion gestellt. Nun ist klar, dass es zumindest vier gute Gründe für den Zusammenschluss der beiden Hochschulen gibt:

International wettbewerbsfähiges Forschungspotential durch "Kritische Masse"

Mit der Fusion der beiden Hochschulen entsteht die neue Universität Lüneburg mit gut 10.000 Studierenden. Sie schließt damit größenmäßig zu anderen niedersächsischen Universitäten wie Osnabrück oder Oldenburg auf. Auch bedeutende bundesdeutsche Hochschulen mit Strahlkraft wie die Universität Mannheim sind nicht größer. Die Neue Universität Lüneburg verfügt damit über eine "kritische Masse" nicht nur in der Ausbildung, sondern auch in der Forschung. Das ist heute unabdingbar im Konzert forschungsstarker Universitäten. Die erfolgreiche Einwerbung von Forschungsmitteln hängt wesentlich auch von einer hinreichend großen Zahl an Forscherinnen und Forschern ab. Der Zusammenschluss wird daher die Chancen auf zusätzliche Gelder wesentlich erhöhen; denn bekanntlich ist auch der staatliche Zuschuss an die Hochschulen von den eingeworbenen Forschungsgeldern abhängig – bei denen die Fachhochschule im bundesweiten Vergleich und einige Forschungsrichtungen an der Universität Lüneburg im übrigen eine sehr gute Figur machen. Sinnvoller Weise wird man sich auf einige Forschungsschwerpunkte konzentrieren, die sich im hochschulinternen Wettbewerb bilden müssen. Dieser Wettbewerb bietet aber gerade den Hochleistungsforschern große neue Chancen.

Verbessertes Universitätsstudium durch konsequente Bolognaorientierung

Die Neue Universität wird sich von der "klassischen" Universität nicht in den allgemeinen Zielsetzungen unterscheiden. Wissenschaftlichkeit, Interdisziplinarität, Internationalität, Qualitätsorientierung in den neuen, gestuften Studienangeboten hat sie gemeinsam mit anderen Universitäten. Zentrales Ziel muss aber sein, nicht nur ein vergleichbares, sondern ein besseres Studium als die Mitbewerber anzubieten. Die Neue Universität Lüneburg wird kleinere Lerngruppen bieten und deshalb auch die Studienzeiten deutlicher einhalten können. Zusatzqualifikationen wie fachbezogene Fremdsprachen oder Rhetorik werden ein wichtiges Profilmerkmal sein. Und nicht zuletzt können die Absolventen durch den verpflichtenden Besuch fachübergreifender Lehrveranstaltungen über den "Tellerrand" schauen. Das alles wird erreicht werden durch das konsequente Zusammenwirken der bisherigen Fachhochschul-Lehrenden, die vor allem das entsprechende Know-how in Fragen der Berufsqualifizierung und des Praxistransfers mitbringen, und der bisherigen Universitäts-Lehrenden, die ihre besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse zur Wissenschaftsbasierung, Theorieentwicklung und Methodologie einbringen. Mit Blick auf die Ziele des Bologna-Prozesses kann sich die Neue Universität hiermit insbesondere in der Frage der Berufsorientierung der Bachelorabschlüsse an die Spitze der Bewegung" setzen.

Imagegewinn und neues Innovationspotential durch "Grenzüberschreitungen"

Überall im deutschen Hochschulsystem werden augenblicklich versäulte Strukturen aufgebrochen. Wissenschaftlicher Fortschritt und Bildungsgewinn für die Studierenden entsteht durch Grenzüberschreitungen der Hoheitsgebiete von Fachdisziplinen und Bildungsinstitutionen. Interdisziplinär ausgerichtete Studienangebote entsprechen in besonderer Weise den beruflichen Anforderungen in Wissenschaft und Praxis. Hier haben beide Hochschulen Lüneburgs schon bisher erhebliches geleistet. Die gemeinsame Vermittlung von klarer Wissenschaftsorientierung (im Sinne klassischer Universitätsausbildung) und beruflichen Fokussierungen (bislang eine Domäne der Fachhochschulen) ist eine Anforderung, die Studierende heute zu Recht an ihre Bildungseinrichtung stellen. Und sie schließt ein: eine neue Sicht auf das life-long-learning, mithin auf neue Perspektiven auch der wissenschaftlichen Weiterbildung und des Transfers von universitärem Wissen in die gesellschaftlichen Arbeitsprozesse. Die Neue Universität Lüneburg hat die einmalige Chance, diese Grenzüberschreitungen in einer Organisation miteinander realisieren zu können.

Verbessertes Ausschöpfen des intellektuellen Potentials durch "Neue Offenheit"

Nach allen internationalen Statistiken entsendet Deutschland einen zu geringen Anteil eines Altersjahrgangs auf die Hochschulen und schöpft damit sein intellektuelles Potential nur unzureichend aus. Durch die konsequente Gestaltung von aufeinander aufbauenden Bachelor- und Master-Abschlüssen mit spezifischen Eingangsvoraussetzungen besteht die Chance, die verschiedensten Begabungen in einem Hochschulstudium zu fördern. Die Neue Universität Lüneburg wird als Vorreiter in Niedersachsen und bundesweit einmalig, die Eingangsvoraussetzungen für ihre Studierenden selbst nach inhaltlichen und nicht nur nach formalen Kriterien bestimmen können. Das erlaubt ihr, die jeweils Besten für einen Studiengang auszuwählen, die Abbruchquoten in der Folge zu senken und gestuft neue Lebenschancen für ihre Studierende zu eröffnen.

Auch wenn diese Vorteile nicht automatisch eintreten, sondern die aktive Mitwirkung aller an dem Prozess erfordern, sind sie in der Fusion klar angelegt. Und jeder Hochschulangehörige kann auch persönlich davon profitieren: Die Studierenden von der besonderen Qualität des Lehrangebots, die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Professoren von den neuen Chancen in der Forschung ebenso wie von den Herausforderungen in der Lehre. Für jeden gibt es in der Neuen Universität viel zu gewinnen.

Der Gesetzentwurf zur Fusion

Der Gesetzentwurf zur Fusion der Universität Lüneburg und der Fachhochschule Nordostniedersachsen.

 Der Niedersächsische Landtag hat am Mittwoch, den 16.9.2004, die Fusion der Universität mit der Fachhochschule Nordostniedersachsen einstimmig beschlossen.
(PDF, 0,08 MB)

Artikel-Informationen

17.09.2004

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