Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur klar

Land will Abiturientinnen und Abiturienten aus Nichtakademikerfamilien Einstieg ins Studium erleichtern

Hochschulen unterstützen Studierende der ersten Generation


Die Niedersächsische Landesregierung will Abiturienten und Abiturientinnen aus Nichtakademikerfamilien gezielt unterstützen, damit sie ein Studium aufnehmen. „Die Studien- und Berufswahl hängt immer noch stark von der sozialen Herkunft ab. Abiturienten und Abiturientinnen, deren Eltern nicht studiert haben, stehen bei ihrer Berufs- und Studienwahlentscheidung vor anderen Herausforderungen als diejenigen, die an den Studienerfahrungen ihrer Eltern teilhaben können", sagte die Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Andrea Hoops, heute in Göttingen. Viele wüssten zu wenig über Studienwahl und Studienfinanzierung oder würden sich kein Studium zutrauen.

Deshalb fördert das Land in den nächsten drei Jahren elf Projekte zur Erleichterung des Einstiegs ins Studium von Abiturientinnen und Abiturienten aus Nichtakademikerfamilien mit insgesamt drei Millionen Euro. „Wir wollen Studierenden der ersten Generation den Einstieg ins Studium erleichtern", sagte die Staatssekretärin. Die Projekte werden angeboten an den Hochschulstandorten in Braunschweig, Salzgitter, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Osnabrück, Oldenburg und Wilhelmshaven.

In Deutschland studieren von 100 Kindern, die den Sekundarbereich II erreicht haben und bei denen mindestens ein Elternteil studiert hat, 77. Von 100 Kindern, die den Sekundarbereich II erreicht und deren Eltern nicht studiert haben, studieren lediglich 23. Dabei gibt es nicht nur beim Übergang in die gymnasiale Oberstufe eine starke Selektivität, sondern auch beim Übergang nach Erlangung der Hochschulzugangsberechtigung, also etwa vom Abitur zur Hochschule. Haben die Kinder von Akademikern die gymnasiale Oberstufe erfolgreich abgeschlossen, so studieren etwa 84 Prozent. Hat keiner der Eltern studiert, studieren lediglich 37 Prozent. Selbst bei sehr guten Abiturnoten ist die Studienneigung deutlich geringer, wenn die Eltern nicht studiert haben.

Drei von elf Projekten werden in der Pressekonferenz vorgestellt:

1. Universität Lüneburg: Lotsen ins Studium! Lotsen im Studium!

Projektleitung/Ansprechpartnerin:

Dr. Karin Beck
Geschäftsführende Leitung Leuphana College
Scharnhorststr. 1/UC 8.118
21335 Lüneburg
Tel.: 04131/6771784
karin.beck@leuphana.de
Laufzeit: 36 Monate
Fördersumme: 398.699 €


Ziel des Projekts der Leuphana Universität Lüneburg ist es, Chancengleichheit für potenzielle Studierende herzustellen, unabhängig vom familiären Hintergrund. Dabei sollen Studierende als Lotsen ausgebildet werden, die Schülerinnen und Schüler zunächst in der Schule begegnen, sie durch erste Veranstaltungen an den Campus heranführen und sie später in der Studieneingangsphase begleiten. Zudem sollen im Rahmen der Lehrerfortbildung Lehrerinnen und Lehrer für Fragen der Bildungsgerechtigkeit sensibilisiert werden und als Multiplikatoren für Fragen der Bildungsgerechtigkeit ausgebildet werden.

Das Projekt ist in drei Phasen gegliedert:

1. ERKENNEN - Informationen über ein Studium liefern

Hierfür sollen Studienlotsen mit einem ähnlichen familiären Hintergrund ausgebildet werden, die nicht nur an klassischen Gymnasien sondern auch an Realschulen und Berufsschulen Informationsveranstaltungen für Schüler und Eltern abhalten. Zudem sollen geeignete Informationsmaterialien (Flyer, Website, Film) erstellt werden. Geplant sind Schnuppertage, an denen Schüler in Kleingruppen Lehrveranstaltungen besuchen können.

2. ERSCHLIESSEN - Studienentscheidung unterstützen

Diese Phase hat das Ziel, die Potentiale eines Studiums für den individuellen weiteren Lebensweg für den einzelnen Schüler zu erschließen und nutzbar zu machen. Hierbei wird ein eigener Workshop zur Studienentscheidung durchgeführt. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit der Auswahlkommission geplant, die für das hochschuleigene Zulassungsverfahren verantwortlich ist.

3. ENTWICKELN - Studieneingangsphase begleiten

In dieser Phase sollen Lehrende, die selbst Studierende der ersten Generation waren, als Role Models agieren. Erfahrene Studierende der ersten Generation wirken als Studienlotsen. Das an der Hochschule bereits bestehende Angebot an Tutoren soll an die Zielgruppe angepasst werden.

2. Hochschule Osnabrück "Erfolgreis ins Studium"

Projektleitung /Ansprechpartnerin:
Frau Prof. Barbara Schwarze
Hochschule Osnabrück
Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik
Albrechtsstraße 30,
49076 Osnabrück
Telefon 0541 969-2197,
E-Mail: ba.schwarze@hs-osnabrueck.de
Laufzeit: 36 Monate
Fördersumme: 338.396 €



Das Projekt hat die Expertengruppe überzeugt, weil es viele relevante Stellen an der Hochschule integriert und an wichtigen Schaltstellen ansetzt. Es hat zunächst einen Pilotcharakter und ist bei den vier größten Studiengängen der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik angesiedelt (Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Medieninformatik und Maschinenbau). Die Erkenntnisse sollen später auf die gesamte Hochschule übertragen werden. Das Projekt besteht aus drei Komponenten:

1. Interesse an Naturwissenschaft und Technik bei Schülerinnen und Schülern wecken durch interessante Angebote im Schülerforschungszentrum (SFZ). Die bestehenden Konzepte des SFZ sollen um Angebote erweitert werden, die insbesondere Schülerinnen und Schüler von Berufsbildenden Schulen in den Blick nehmen. Insbesondere sollen die Bedürfnisse von Frauen und Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in den Blick genommen werden.

2. Aufbau eines Informationskonzeptes zur Unterstützung der Studienentscheidung: Auch hier sollen die speziellen Bedürfnisse von Studierenden der ersten Generation, Studierenden mit Migrationshintergrund und Frauen in technischen Fächern berücksichtigt werden. Schwellenängste sollen abgebaut und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt werden.

3. Begleitung in der Studieneingangsphase: Es wird ein Konzept für ein Mentoring-Programm entwickelt. Dieses Konzept besteht aus einer Kombination von Gruppen- und Peer-Mentoring und unterstützt einen erfolgreichen Start ins Studium. Als Mentorinnen- und Mentoren sollen erfahrene Studierende aus den Zielgruppen gewonnen werden. Daraus soll ein Modul entwickelt werden, das im Rahmen der möglichen Wahlmodule aus dem Bereich „Social Skills" als Studienleistung angerechnet werden kann.

3. HS Hildesheim/Holzminden/Göttingen: Arbeiterkind.de goes Niedersachsen

Projektleitung /Ansprechpartner:
Anika Werner
Projektkoordination arbeiterkind.de Niedersachsen
Büro Hildesheim
c/o HAWK Hildesheim
Hohnsen 3
31134 Hildesheim
Telefon 05121/881565,
E-Mail: werner@arbeiterkind.de
Laufzeit: 36 Monate
Fördersumme: 153.473 €



Die Ehrenamtlichen der Initiative ArbeiterKind.de ermutigen Schülerinnen und Schüler zum Hochschulstudium und geben praktische Hilfestellung im Studienalltag und beim Berufseinstieg. Auch in Niedersachsen wächst das Engagement zusehends. Das ArbeiterKind.de-Büro an der HAWK in Hildesheim ist dabei der Dreh- und Angelpunkt für Niedersachsen. ArbeiterKind.de ist die größte deutsche Initiative für Studierende der ersten Generation, in der sich rund 5.000 ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren in 70 lokalen ArbeiterKind.de-Gruppen engagieren. In Niedersachsen bestehen bereits neun lokale ArbeiterKind.de-Gruppen (Braunschweig, Emden, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück, Wilhelmshaven). Zudem sind derzeit rund 300 Ehrenamtliche im niedersächsischen Netzwerk von ArbeiterKind.de registriert. „Mit der Förderung können wir uns weiter mit Hochschulen, Servicestellen für Studierende sowie Schulen und Schülerprojekten vernetzen", sagt Anika Werner. Ziel sei es zudem, mehr Ehrenamtliche für ArbeiterKind.de zu begeistern und Schulveranstaltungen auch in ländlichen Regionen zu etablieren. Viele Mentorinnen und Mentoren kennen aus eigener Erfahrung die Bedenken und Ängste, die gegen ein Studium sprechen. Sie berichten vor Schulklassen von ihrem Werdegang, ihrer Studienfinanzierung und Fächerwahl.

Das MWK fördert acht weitere Projekte:

1. Die Hochschule für bildende Künste in Braunschweig verfolgt mit ihrem Projekt das Ziel, die kulturelle Teilhabe von Schülerinnen und Schülern zu erhöhen und möchte mit ihren Studierenden Angebote an Schulen organisieren. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit dem Studienkompass der Stiftung der deutschen Wirtschaft geplant. Die Zielgruppe soll neben der Studieneinstiegsphase während des gesamten Studiums begleitet werden. (Fördersumme: 186.609 €)

2. Die TU Braunschweig plant in dem Projekt „CHO1CE: Du hast die Wahl" ein umfangreiches Coaching Projekt, in dem Studierende gezielt für das Coaching von Schülerinnen und Schülern und Studienanfängern ausgebildet werden. (Fördersumme: 300.000 €)

3. Die Hochschule Braunschweig Wolfenbüttel setzt auf eine strukturierte Zusammenarbeit mit allen Institutionen der Region, die sich mit der Studien- und Berufswahlorientierung befassen. Hierzu sollen in enger Kooperation mit dem Projekt "Regionales Bildungsmanagement" der Stadt Salzgitter Bedarfe und Angebote analysiert und weiterentwickelt werden, um durch passgenauere Information und Beratung allen begabten Kindern und Jugendlichen Wege ins Studium zu öffnen.

(Fördersumme: 299.641 €)

4. Die Universität Göttingen ermuntert mit ihrem Projekt „Brückenschlag" gezielt Studieninteressierte, deren Eltern nicht Akademiker sind, ein Studium aufzunehmen. Auch bei der Wahl des Studiums ist die Uni mit Workshops und einem Online-Self-Assessment-Modul behilflich. Zudem werden die Studierenden im Studium bis zum Einstieg in den Beruf durch Mentoring-, Informations- und Beratungsangebote begleitet.

(Fördersumme: 343.173 €)

5. Die Leibniz-Universität Hannover schickt mit ihrem Projekt „TechColleges" angehende Berufsschullehrer in berufsbildende Schulen, um dort über Studienmöglichkeiten aufzuklären. Zudem legt sie einen besonderen Fokus auf junge Migranten und wirbt zusätzlich gezielt für die technischen Fächer. (Fördersumme: 220.320 €)

6. Bundesweit einmalig ist das Projekt „Care-Ho - Care Leaver" des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Care Leaver sind junge Menschen, die außerhalb ihres Elternhauses aufgewachsen sind. Sechs Institute der Hochschulen in Hildesheim, Emden, Holzminden, Oldenburg und Vechta haben sich für dieses Projekt vernetzt. Außerdem wollen sie auf die Lebenssituation von Studierenden mit Jugendhilfeerfahrung aufmerksam machen. Es soll auch ein Netzwerk von „Care-Leavers" geschaffen werden. (Fördersumme 186.420 €)

7. Im Rahmen ihres Projektes „HoPe - Hochschulperspektiven für alle" werben angehende Berufschullehrer der Universität Osnabrück für ein Studium. Zudem bietet die Universität ein spezifisches Mentoringprogramm an, damit die Studierenden ihr Studium nicht vorzeitig abbrechen, erfolgreicher im Studium sind und ermutigt werden, ein Masterstudium aufzunehmen. (Fördersumme: 299.279 €)

8. Die Jade Hochschule in Wilhelmshaven wird eine Studierwerkstatt für Studierende und Studieninteressierte einrichten, in der eigenaktives Lernen gefördert und die Studienentscheidung unterstützt wird. Zudem plant sie einen Online-Kurs Mathematik, da dieses Fach oft eine besondere Hürde für den Studienerfolg, insbesondere in den sog. MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) darstellt. (Fördersumme: 300.000 €)

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Artikel-Informationen

18.02.2014

Ansprechpartner/in:
Pressestelle MWK

Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibnizufer 9
30169 Hannover
Tel: 0511/120-2599
Fax: 0511/120-2601

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