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Rede des Niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, zur Fragestunde der Plenarsitzung am 26. Oktober 2018 – TOP 31 a:

Welche Bedeutung hat das erfolgreiche Abschneiden niedersächsischer Universitäten in der Exzellenzstrategie?


Der 27. September 2018 wird uns als höchst erfolgreicher Tag für die Forschungslandschaft in Niedersachsen in Erinnerung bleiben. Sechs erfolgreiche Exzellenzcluster werden ab dem 01. Januar 2019 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in der Exzellenzstrategie zur Förderung der Spitzenforschung an Universitäten für sieben Jahre eine Förderung mit Bundes- und Landesmitteln erhalten!

Dieser erfolgreiche Tag ist möglich geworden, weil an den antragstellenden Einrichtungen mit Unterstützung des Landes Niedersachsen intensive Vorarbeit geleistet wurde.

Die Schlüssel zum Erfolg waren präzise Vorbereitungen, gelungene Präsentationen und überzeugende Antworten auf die Fragen der Gutachter.

Am 27. September 2018 hat das Expertengremium sechs von zehn niedersächsischen Clusteranträgen zur Förderung ausgewählt.

Vertreter der erfolgreichen Exzellenzcluster, die ab dem 01. Januar 2019 gefördert werden, sind heute hier im Plenum zu Gast. Gestatten Sie mir, die Clustersprecher oder deren Vertreter zu begrüßen und ihnen in diesem Rahmen meine Glückwünsche auszusprechen.

Der von der Leibniz Universität Hannover und der Technischen Universität Braunschweig beantragte Exzellenzcluster „Quantum Frontiers - Licht und Materie an der Quantengrenze: Grundlagen und Anwendungen in der Metrologie“: Wird in seinem interdisziplinären Netzwerk physikalische Konzepte für die Messtechnik von morgen entwickeln. Geleitet wird der Cluster von den Professoren Karsten Danzmann, Andreas Waag und Piet O. Schmidt.

Prof. Danzmann kann heute leider nicht hier sein, an seiner Stelle ist der Präsident der Leibniz Universität Hannover, Prof. Epping, hier im Landtag. Mit einem zweiten Physikcluster kann die Leibniz Universität Hannover mit „PhoenixD - Simulation, Fabrikation und Anwendung optischer Systeme“ an den Start gehen. PhoenixD ist das Projekt einer breit angelegten Initiative, die Design und Herstellung von Präzisionsoptik neu definieren will. Sprecher von PhoenixD sind die Professoren Morgner, Overmeyer und Kowalsky.

Ich begrüße an dieser Stelle Prof. Morgner als einen der Sprecher.

Gemeinsam haben sich die Universität Göttingen und die Universitätsmedizin Göttingen vorgenommen, im Cluster „Multiscale Bioimaging: Von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“ Fortschritte bei Erkrankungen von Herz und Gehirn zu erzielen. Geleitet wird der Cluster von den Professoren Moser und Cramer und der Professorin Steinem.

Das Exzellenzcluster ist hier heute durch Herrn Dr. Kobe vertreten.

Die Medizinische Hochschule Hannover hat mit „RESIST - Abwehrschwächen gegenüber Infektionen und ihre Kontrolle“ erstmalig eine Exzellenzförderung für ein Cluster der niedersächsischen Infektionsforschung eingeworben. Hier wird der Frage nachgegangen, weshalb manche Menschen besonders anfällig für Infektionen sind. Sprecher des Clusters ist Professor Thomas Schulz.

An seiner Stelle begrüße ich hier heute den Präsidenten der Medizinischen Hochschule Hannover, Prof. Baum und Prof. Manns als dessen designierten Nachfolger.

Der Cluster „Hearing4all - Forschung zur individuellen Behandlung von Hörstörungen“ im Verbund der Universitäten Oldenburg, MHH und Leibniz Universität wird seine erfolgreichen Arbeiten in einer weiteren Förderperiode fortsetzen können. Der Cluster bietet Spitzenforschung mit hohem Anwendungsbezug rund ums Thema Hören. Prof. Kollmeier und Prof. Lenarz werden weiterhin die koordinierende Leitung übernehmen.

Wegen der Begutachtung der European Medical School Oldenburg-Groningen durch den Wissenschaftsrat, kann Prof. Kollmeier heute nicht hier sein. Stellvertretend für ihn und Prof. Lenarz gratuliere ich nochmals dem Präsidenten der Medizinischen Hochschule Hannover, Prof. Baum und Prof. Manns als seinem designierten Nachfolger.

Der Cluster der Technischen Universität Braunschweig „SE2A – Nachhaltige und energieeffiziente Luftfahrtsysteme“ bestätigt unsere Standortstärke in diesem Bereich. Er hat zum Ziel, wissenschaftliche Grundlagen und Technologien für einen nachhaltigen und energieeffizienten Luftverkehr zu schaffen. Geleitet wird der Cluster durch die Professoren Friedrichs, Radespiel und Wallaschek.

Anstelle der drei genannten Clustersprecher ist Prof. Seume von der Leibniz Universität Hannover anwesend, Glückwünsche an ihn und an das gesamte Cluster.

Alle zuvor genannten Exzellenzcluster haben neben den Universitäten zahlreiche Partner aus außeruni-versitären Forschungseinrichtungen in ihre Vorhaben eingebunden.

Nach vorläufiger Berechnung des MWK werden aufgrund der bewilligten Vollanträge ca. 235 Mio. Euro über sieben Jahre verteilt nach Niedersachsen fließen.


Zu Frage 1: Welche Zwischenschritte sind bis zu einer erfolgreichen Teilnahme der niedersächsischen Bewerber in der Förderlinie „Exzellenzuniversität“ zu meistern, um auch in dieser Phase erfolgreich abzuschneiden?

Für die zweite Förderlinie der Exzellenzstrategie stellen Bund und Länder für die Förderung von Exzellenzuniversitäten jährlich rd. 148 Mio. Euro zur Verfügung.

Einzeluniversitäten können jährlich 10 bis 15 Mio. Euro beantragen, Universitätsverbünde 15 bis 28 Mio. Euro.

Sie konnten mit ihren Anträgen überzeugen und haben die erforderliche Cluster-Anzahl erreicht, um in der zweiten Förderlinie antragsberechtigt zu sein. Sie stehen im Wettbewerb mit 17 weiteren Einrichtungen, davon ein weiterer Verbund.

Drei niedersächsische Hochschulen haben nun durch ihren Erfolg bei den Exzellenzclustern die Möglichkeit, sich als Exzellenzuniversität zu bewerben: Die Leibniz Universität Hannover im Verbund mit der MHH und die TU Braunschweig als Einzeluniversität.

Zurzeit werden die entsprechenden Anträge intensiv vorbereitet.

Das Land hat im bisherigen Verfahren einen guten Überblick über die Forschungsstärken im Land gewinnen können und kann damit auch die exzellenten Bereiche gut einschätzen.

Die Exzellenzstrategie legt fest, dass alle für die Gesamtstrategie einer Universität relevanten Maßnahmen gefördert werden sollen, die ihre international herausragenden Bereiche im Wettbewerb der weltbesten Unis stärken können.

Exzellenzuniversitäten sollen dauerhaft und institutionell gefördert werden. Dafür muss ein strategisches Gesamtkonzept mit Finanzplan erarbeitet werden. Die Überzeugungskraft dieser Konzepte ist ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl der elf Exzellenzuniversitäten. Das MWK begleitet die Hochschulen bei diesem Prozess.

Außerdem muss plausibel dargelegt werden, dass die Universitäten internationales Potenzial und dauerhafte Innovationskraft vorweisen können.

Bis zum 10. Dezember 2018 müssen die Exzellenzuni-Anträge beim Wissenschaftsrat eingegangen sein.

Von Februar bis Mai 2019 finden Vor-Ort-Begehungen bei den antragstellenden Universitäten statt. Dazu liegt bereits eine detaillierte Ablaufplanung des Wissenschaftsrates vor. Vertreterinnen und Vertreter des Landes sind zu allen Tagesordnungspunkten als Gast eingeladen.

Der Verbundantrag der LUH und MHH wird im März 2019 begutachtet. Am zweiten Tag ist eine 90-minütige Diskussion mit den Universitätsleitungen, Mitgliedern der Hochschulräte und der Landesregierung vorgesehen. Ich beabsichtige, daran persönlich teilzunehmen.

Der Ortstermin für die TU Braunschweig ist im Mai 2019 vorgesehen. Bei Anträgen von Einzeluniversitäten wird ebenfalls am zweiten Tag die Diskussion unter Beteiligung der Landesregierung stattfinden. Auch an diesem Termin plane ich persönlich teilzunehmen.

Am 19. Juli 2019 wird über die zukünftigen Exzellenzuniversitäten entschieden. Verantwortlich dafür ist die Exzellenzkommission. Sie setzt sich aus einem wissenschaftlichen Expertengremium und den Vertretern von Bund und Ländern zusammen.

Die Förderung von Exzellenzuniversitäten beginnt am 1. November 2019.


Zu Frage 2: Welche Rolle spielt der Wissens- und Technologietransfer im Zusammenhang mit der Exzellenzstrategie, damit aus niedersächsischer Forschung innovative Produkte made in Niedersachsen entstehen?

Unter der Prämisse der „Förderung von Spitzenforschung“ können Vorhaben gefördert werden, die für die Umsetzung der Gesamtstrategie relevant sind.

Daher können auch Vorhaben beantragt werden, die sich auf die Lehre, den Transfer und die Forschungsinfrastrukturen beziehen. Voraussetzung ist, dass sie an der Spitzenforschung ausgerichtet sind und innerhalb der universitären Gesamtstrategie eine Funktion haben.

Grundsätzlich ist die Exzellenzstrategie forschungs- und nicht direkt anwendungsorientiert. Die Förderung von Grundlagenforschung schließt eine anschließende Verwertung jedoch in keiner Weise aus, so dass für die Weiterentwicklungen Transferoptionen ausgelotet werden können. Solche Effekte zu erkennen und gezielt zu fördern, ist eine Herausforderung sowohl für die strategische Ausrichtung der geförderten Cluster und Universitäten als auch für die Forschungspolitik. Die Landesregierung sieht in diesem Bereich einen Schwerpunkt ihrer Aktivitäten im Bereich der Forschungsförderung.


Zu Frage 3: Welche Auswirkungen haben die Erfolge in der Exzellenzstrategie auf die forschungspolitischen Weichenstellungen in Niedersachsen?

Durch die Entscheidungen für sechs niedersächsische Cluster wird eine Reihe von Forschungsfeldern weiter gestärkt, bei denen Niedersachsen schon jetzt führend ist: Dazu gehören Photonik, nachhaltige Luftfahrt, Infektionsforschung, Hörforschung, Quantentechnologie und Bildgebung in den Lebenswissenschaften.

Anknüpfungspunkte für Wissens- und Technologietransfer können im Rahmen von Transfer-Ausschreibungen aufgegriffen werden.

 

Wissenschaftsminister Björn Thümler am 26.10.2018 im Niedersächsischen Landtag

Artikel-Informationen

26.10.2018

Ansprechpartner/in:
Pressestelle MWK

Nds. Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibnizufer 9
30169 Hannover
Tel: 0511/120-2599
Fax: 0511/120-2601

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