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Niedersächsischer Literaturpreis 2016

Nicolas-Born-Preis und Nicolas-Born-Debüt-Preis


Die Nicolas-Born-Preisträgerin 2016 Ulrike Draesner wurde am 20. Januar 1962 in München geboren. 1981 begann sie ein Jurastudium, in der Folge eines Stipendienjahres in Oxford wechselte sie zu Anglistik, Germanistik und Philosophie. Nach weiteren Auslandsaufenthalten schloss Draesner das Studium 1989 ab; 1992 promovierte sie mit einer Arbeit zu Wolframs von Eschenbach Parzival. Um sich ganz dem Schreiben widmen zu können, kündigte sie ihre Universitätsstelle. 1996 zog Draesner nach Berlin, wo sie heute als Dichterin, Prosaautorin und Essayistin lebt.

Sie übersetzt aus dem Englischen, gibt Workshops, Seminare und Poetikvorlesungen. Mit klarem Blick untersucht ihr Werk heutige Lebens- und Arbeitsverhältnisse. Die Texte, vielschichtig verwoben, nehmen sowohl die geschichtlichen Dimensionen Deutschlands als auch mediale und biotechnische Entwicklungen in den Blick.

1995 erschien Draesners erstes Buch, der Gedichtband „gedächtnisschleifen". Der Roman „Lichtpause" ist im Jahr 1998 ihr Prosadebüt. Darauf folgen neben diversen Erzähl- und Gedichtbänden die Romane „Mitgift" (2005), „Spiele" (2006), „Vorliebe" (2010) und „Sieben Sprünge vom Rest der Welt" (2014). Darin kreuzt Draesner die Lebenswege der schlesischen Grolmanns mit dem Schicksal einer aus Ostpolen nach Wrocław vertriebenen Familie. In einem Kaleidoskop der Erinnerungen schildert Draesner, wie die durch Flucht und Vertreibung ausgelösten Traumata weiterwirken und wie sich seelische Landschaften von einer Generation in die nächste weitervererben. Die Geschichten der Grolmanns und der Nienaltowskis werden zum Spiegel von hundert Jahren mitteleuropäischer Geschichte. Sie erzählen von den Mühen und Seligkeiten zwischen Eltern und Kindern, von Luftwurzeln, Freiheit und Migration.


Der Nicolas-Born-Debüt-Preisträger 2016 Joachim Meyerhoff, geboren 1967 in Homburg/Saar, aufgewachsen in Schleswig, erhielt von 1989 bis 1992 an der Otto-Falckenberg-Schule in München eine Schauspielausbildung und wurde nach Engagements an verschiedenen deutschen Bühnen 2005 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Parallel ist Meyerhoff seit 2013 Mitglied im Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. 2007 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt.

In seinem sechsteiligen Zyklus „Alle Toten fliegen hoch" trat er als Erzähler auf die Bühne und wurde zum Theatertreffen 2009 eingeladen. Aus der Bühnenperformance entwickelte sich in der Folge ein Romanprojekt: Im Februar 2011 erschien mit Joachim Meyerhoffs Roman „Alle Toten fliegen hoch. Amerika" der erster Teil einer autobiographischen Trilogie. Der zweite Band „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" wurde 2013 veröffentlicht, der dritte Teil „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" erschien im November 2015. In seinem dreiteiligen Debüt erzählt Meyerhoff zunächst von seiner Kindheit auf dem Gelände einer Psychiatrie in Schleswig. Der Vater war hier Direktor und Patienten die Spielgefährten für den Jungen. Im zweiten Band erfährt der Ich-Erzähler als Teenager während eines Gastjahres in den USA am Telefon, dass sein Bruder bei einen Unfall ums Leben gekommen ist. Der dritte Teil bewegt sich durch die Lehrjahre an der Falckenberg-Schule in München. Während der Berufsausbildung wird der Erzähler zwischen dem 20. und 23. Lebensjahr von Versagensängsten und Zweifeln an der Karrierewahl geplagt. Ablenkung findet er als Untermieter bei seinen exzentrischen Großeltern in einer Nymphenburger Großbürgervilla.

Ulrike Draesner - Nicolas-Born-Preisträgerin 2016

Ulrike Draesner - Nicolas-Born-Preisträgerin 2016

Joachim Meyerhoff - Nicolas-Born-Debüt-Preisträger 2016

Joachim Meyerhoff - Nicolas-Born-Debüt-Preisträger 2016

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Referat 32
Leibnizufer 9
30169 Hannover

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