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Aktuelle Stipendiatinnen und Stipendiaten im Bereich Literatur

Literaturstipendien 2020

Jahresstipendium

Das Jahresstipendium geht an Juliette Groß aus Hamburg und ist mit 14.000 Euro dotiert.

Die Schauspielerin und Sprecherin Juliette Groß ist bisher vor allem mit ihren Dramenprojekten in Erscheinung getreten. Nach ihrer Ausbildung an der Schule für Schauspiel in Kiel war sie unter anderem am Jungen Theater Göttingen und am Theaterhaus Frankfurt engagiert. Ihre Theaterstücke Loreley und Klara- neun und neunzig wurden in Frankfurt, Kiel und am Schauspielhaus Hamburg in Szene gesetzt. Im Jahr 2019 erschien im Osburg Verlag ihr Debütroman Heute keine Kekse.

Das geförderte Romanprojekt Überhebungen ist als Kaleidoskop verschiedener Geschichten angelegt, die sich alle mit dem Thema Überheblichkeit beschäftigen. Einfühlsam werden die Protagonistinnen und Protagonisten gezeichnet, die aus verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen und zur Hauptfigur Clara, einer 32jährigen Schauspielerin, in unterschiedlicher Weise in Beziehung gesetzt werden. Clara hat sich daran gewöhnt, nie Geld zu haben, und hofft stattdessen lieber auf „Ruhm, oder Inhalt. Oder Sinn“, wie es in der eingereichten Leseprobe heißt. Die Figur Clara erinnert in manchen Zügen an die Autorin und ein Großteil der Geschichten spielt in Hannover und Umgebung, worin man ebenfalls autobiographische Anklänge erkennen kann. Juliette Groß ist in der Hauptstadt des Landes Niedersachsen auf die Welt gekommen und zur Schule gegangen – sie weiß also, wovon sie spricht und worüber sie schreibt. Das lassen ihre Geschichten erkennen, die auf kunstvolle Weise miteinander verknüpft sind und die sowohl sprachlich als auch in der Figurenkomposition überzeugen.

Stipendium für Kinder- und Jugendbuchautoren

Ilke S. Prick aus Berlin erhält das Stipendium für Kinder- und Jugendbuchautoren in Höhe von 8.000 Euro für den Roman „lichterloh“.

Der Text nimmt sich Zeit, den Plot und die Figuren sehr sorgfältig und glaubhaft zu entwickeln, dadurch entsteht schon in der Leseprobe eine beeindruckende Komplexität. Mit Jaschas Schwierigkeit, seine Gedanken zu formulieren, beginnt der Text. Sie wird psychologisch gut begründet, aber es wird kein Krankheitsbild beschrieben, so wird Pauschalität vermieden.

Jaschas Besonderheit ist zentral für den Plot, in dem es um einen Brand geht, der mit Jaschas Verbrennungen seiner Wörter-Zettel, die ihm als Ersatz für sein Schweigen dienen, verknüpft wird. Die Lösung des Falls führt nicht nur zur Lösung von Minas problematischer Lebenssituation, auch Jascha überwindet sein Schweigen.

Die Erzählung mit ihren komplex verwobenen Erwartungen, Enttäuschungen, Missverständnissen und waghalsigen Lügengebäuden wirkt nicht konstruiert, sondern vor allem wegen der lebhaften Dialoge und der flüssigen Erzählweise stimmig und überzeugend. Das Projekt zeigt eine hohe literarische Qualität, die sich durch präzisen Sprachduktus und klare Struktur auszeichnet.

Übersetzerstipendium

Mit dem Übersetzerstipendium in Höhe von 7.800 Euro unterstützt das Land Niedersachsen in 2020 die Arbeit von der in Hannover lebenden Literaturübersetzerin Eva Schweikart für die Übertragung des Romans De biecht (Die Beichte) von Marianne Philips.

Ursprünglich 1930 erschienen und vom Cossée Verlag 2019 zu neuem literarischen Leben erweckt, handelt es sich um den nächtlichen Monolog der vierzigjährigen Psychiatriepatientin Heleen, die ihre Schwester Lientje erschlagen hat. Die Übersetzung des Romans erfordert ein intensives Eindenken in die Lebens- und Erfahrungswelt der Protagonistin, großes sprachliches Fingerspitzengefühl sowie sorgfältige Recherchen in der Welt der Mode und den Gegebenheiten der Psychiatrie um 1930.

Arbeitsstipendien

Die Literaturkommission hat drei Arbeitsstipendien vorgeschlagen, die in Niedersachsen leben oder mit dem Land verbunden sind. Die Autoren sollen in ihrer Arbeit und bei der Fertigstellung ihrer Werke unterstützt werden.

Anja Kampmann aus Leipzig, Tamar Noort aus Bleckede und Marc Lunghuß aus Berlin erhalten in diesem Jahr ein Arbeitsstipendium von jeweils 5.000 Euro.


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